Ausgesetzte Schöpfung
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Figuren der Souveränität und Ethik der Differenz in der Prosa Else Lasker-Schülers

  1. 536 Seiten
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Figuren der Souveränität und Ethik der Differenz in der Prosa Else Lasker-Schülers

Über dieses Buch

Die Arbeit erweist die von 1906 bis 1937 entstandene Prosa Else Lasker-Schülers als paradigmatisch für die literarische Moderne und erarbeitet eine völlig neue Perspektivierung ihrer charakteristischen Figuren und Verfahren. Durch intertextuelle Bezüge und strukturelle Analogien zu Nietzsche, Freud, Weininger, Kafka, Martin Buber u.a. sind die Texte auf vielfache Weise in zeitgenössische Diskurse eingebettet, andererseits bergen sie ein besonderes Analysepotential im Hinblick auf Raumkonzepte, Genderdiskurse und Körperkonstruktionen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. »Das Peter Hille-Buch«, »Die Nächte der Tino von Bagdad«, »Der Prinz von Theben« oder »Der Malik« u.a. stellen Grenzen und Krisen der Repräsentation zur Schau, indem sie die Problematik einer Verkörperung symbolischer Macht am Beispiel von Herrscherfiguren erkunden. Souveränität erscheint dabei über die thematischen Konstellationen hinausweisend als radikale Reflexionsfigur von Autorschaft und Subjektautonomie. Die diskursanalytisch, kulturanthropologisch und psychosemiotisch argumentierende Untersuchung bezieht historische und biographische Aspekte (Erster Weltkrieg, Zionismus, nationalsozialistische Judenverfolgung, Exil etc.) ausdrücklich mit ein und eröffnet den poststrukturalistischen Theorieansätzen damit eine politische und historische Dimension. Ein eigenes Kapitel behandelt diejenigen Texte, die wie etwa »Der Wunderrabbiner von Barcelona«, »Der Scheik« oder »Das Hebräerland« die Begegnung der Religionen gestalten. In überraschender Nähe zu Ansätzen des jüdischen Philosophen Emmanuel Lévinas entwerfen diese, so wird gezeigt, eine moderne Ethik der Differenz, die dem Fremden im Eigenen Raum gibt und ohne transzendente Sinnbezüge auskommt.

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Information

Jahr
2015
ISBN drucken
9783484150959
eBook-ISBN:
9783110946185

Inhaltsverzeichnis

  1. Siglenverzeichnis
  2. I. Exposition: statt einer Einleitung
  3. II. Raum-Grenzen und Grenz-Räume in der Moderne
  4. 1. Jenseits des Tauschprinzips oder die Verräumlichung des Horizonts
  5. 2. Erkundungen einer anderen Topik: Wege der Psychoanalyse
  6. 2.1. Das Ich im Prozeß: zum Konzept der Bahnung
  7. 2.2. Hieroglyphen, Traumschrift, Urworte
  8. 2.3. Der Widerstand gegen die Theorie: Psychoanalyse und/als Literatur
  9. 3. Geschlechterräume und die Hysterisierung der Kultur
  10. 3.1. Freud und das Rätsel der Weiblichkeit
  11. 3.2. Weininger oder das Weib ist Nichts
  12. III. Vater-Name und Text-Körper: ›Das Peter Hille-Buch‹
  13. 1. Figuren des Übergangs
  14. 1.1. Von Welt zu Welt: Zarathustras Wanderung
  15. 1.2 Zeugnis und Autorschaft
  16. 1.3. Der Gekreuzigte: Symbol und Körper
  17. 2. An-Spruch und Erwählung
  18. 2.1. Der Chiasmus der Eingangsszene
  19. 2.2. Ruth und Sulamith: das Aussetzen der Vätergenealogie
  20. 2.3. Wahl und Serialität
  21. 2.4. Die Sprache der Liebe im Modus des Imaginären
  22. 2.5. Dieu Créateur und Dieu Générateur in der Tradition jüdischer Mystik
  23. 3. Das Begehren des Anderen
  24. 3.1. »Was will eine Mutter?« - Inzesttabu und Nullpunkt der Literatur
  25. 3.2. Petrus und die Frauen
  26. 4. Der Name des Vaters im Körper des Textes
  27. 4.1. Zur Metaphernstruktur des Namens
  28. 4.2. Name und Körper Gottes in der Kabbala
  29. 4.3. Der »Grabstein über dem Ereignis«: Datum und Textgrenze
  30. IV. Souveränität und Maskerade
  31. 1. Der König ist tot, es lebe der Dichter! – Zum Topos des Dichtersouveräns
  32. 2. Rituale und Exzesse der Herrschaft
  33. 2.1. Die Wege der Tino von Bagdad: Grenzgänge und Privilegierungen
  34. 2.2. Souveränität und Gewalt: Aspekte einer Theorie des Opfers
  35. 3. Scheherazade und der Schleier der Geschichten
  36. 4. Unheimliche Begegnungen: die Verwandte der Tyrannen
  37. 4.1. Unfall und Bedeutung: das Entsetzen des Souveräns
  38. 4.2. Der Richter und seine Hinrichtung
  39. 5. Symbole der Souveränität
  40. 5.1. Königsgrab und Hieroglyphe
  41. 5.2. Die tanzende Mumie
  42. 5.3. Der Himmel im Ring
  43. 6. Die Jenseitsmaschine: Übergänge und Spaltungen
  44. 6.1. »Fleischgewordene Götter«: Priesterkönige bei Frazer und Freud
  45. 6.2. Gott lieben: Vereinigungsphantasien, Mystik und mehr
  46. 6.3. Ödipus und sein Vater: jenseits der Kastration
  47. 7. Jussuf und der lammblutende Hirtenrock
  48. 8. »Ich bin das Tor« – der König als Schwelle und Hohlraum
  49. 8.1. Raumkonstitution und Briefstruktur: Jussuf und Ruben
  50. 8.2. Der Ursprung ist zwei: die »Venus von Siam« als Muttergottheit
  51. 8.3. Theben und der Körper des Königs
  52. 8.4. Umhüllung und Fallgrube: der Prachtmantel des Kaisers
  53. 9. Kunst und Krieg: der Souverän und der Ausnahmezustand
  54. 9.1. Der Erste Weltkrieg und der »Wildkrieg« Jussufs
  55. 9.2. Fetisch Kriegskleid und das Phantasma des totalen Krieges
  56. V. Elemente einer Poet(h)ik der Gabe
  57. 1. Rückhaltlos: zu einem nicht-transzendentalen Selbst- und Fremdbezug
  58. 1.1. Die Ringe der Parabel oder Ethik und Ästhetik in der Moderne
  59. 1.2. Das Antlitz des Anderen: zum ethischen Sprachkonzept Emmanuel Lévinas’
  60. 2. Die Sorge um den Anderen – Religion und Dialog in ›Der Scheik‹
  61. 2.1. »Das streitende Amen«
  62. 2.2. Versöhnung jenseits des Todes
  63. 2.3. Horchen auf die Spur: Anruf und Klage
  64. 3. Übersetzung und Ambivalenz
  65. 3.1. Babel und die Grenze technischer Perfektion
  66. 3.2. Turmbaumeister und Eulenspiegel: der prekäre Ort der Vaterfigur
  67. 3.3. Zionismus und Messianismus im ›Wunderrabbiner von Barcelona‹
  68. 3.3.1. Antisemitismus als Interpretationsakt
  69. 3.3.2. Verantwortung und Schuld: die Position des höchsten Priesters
  70. 3.3.3. Unfall und Begegnung: zur Heterogenität des Zwischenraums
  71. 3.3.4. Katastrophe und Rettung: Refigurationen der Moses-Gestalt
  72. 4· Gotteskinder: christliche und jüdische Gedenkrituale in »Arthur Aronymus‹
  73. 4.1. Die weihnachtliche Bescherung und der Teufel
  74. 4.2. Dem Fremdkörper zu Leibe rücken: Hexenverbrennung und Konversion
  75. 4.3. Die Thora im Tragkleid
  76. 4.4. Pesach: das Erinnern des Übergangs
  77. 5. Raum geben: die Aufgabe der Schöpfung im ›Hebräerland‹
  78. 5.1. Wunsch(t)räume: kritische Anmerkungen zur Rezeption
  79. 5.2. Der gebahnte Weg: Schrift und Raum
  80. 5.3. Im Zeitspalt: Überstürzung und Dehnung der Zeit
  81. 5.4. Verspätung und Erwählung
  82. VI. Schlußwort
  83. VII. Literaturverzeichnis

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