Schon immer war der Blick ins All mehr als Himmelsbetrachtung. Es galt, den Kosmos - das Weltganze als gesetzmäßige und bedeutungsvolle Konfiguration - wie auch den Status seines Betrachters aus der Bestimmung von Zeichen zu konstituieren. So ist die Geschichte der Himmelsbetrachtung zugleich eine Geschichte der Hermeneutik kosmischer Zeichen. Wo literarische Allbetrachter zum Himmel blicken, geht es deshalb um mehr als um semantische Bestimmungen des Kosmos. Welt- und Selbstdeutungen des Betrachters sind hier mit der grundsätzlichen Frage nach der Lesbarkeit von Zeichen verknüpft. Darum ist der kosmische Augenblick der Moment, in dem die Texte ihre eigenen Bedingungen reflektieren. Brockes' »Irdisches Vergnügen in Gott« erprobt am unermeßlichen Himmel die mimetischen Leistungen einer an klassischer Abbildtheorie geschulten Beschreibungskunst. Dabei wird das All zum Darstellungsproblem. In Jean Pauls »Titan« dehnen die kosmischen Augenblicke gerade im Bemühen, die Urbildsphäre zu erreichen, das Reich der Zeichen weiter aus. In Goethes »Wanderjahren« genügt sich der Kosmos der Zeichen selbst als unaufhörliche Rede, die »immer weitergehen kann«. Stifters »Condor« schließlich versucht eine neue Gegenständlichkeit, doch ist das All vor allem die Variable, welche die Betrachter mit literarischen Kosmosbildern füllen. Die Kosmosschau der Literatur ist in der Zeit des kosmologischen Umbruchs vom geschlossenen zum nachkopernikanischen Himmel also vor allem Betrachtung des Kosmos der Zeichen; ein Blick, den der Text auf sich selber wirft.

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Der Blick ins All
Reflexionen des Kosmos der Zeichen bei Brockes, Jean Paul, Goethe und Stifter
- 232 Seiten
- German
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Der Blick ins All
Reflexionen des Kosmos der Zeichen bei Brockes, Jean Paul, Goethe und Stifter
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Information
Thema
LiteratureInhaltsverzeichnis
- Einleitung
- I. Die Ordnung des Himmels. Die Astronomiegeschichte und die Zeichen
- 1. Die Zeichen des Himmels, der Himmel als Zeichen
- 2. Die vernünftigen Kreise und ihre Repräsentation (Aristoteles, Ptolemäus, Kopernikus)
- 3. Die unbestimmbare und die unermeßliche Sphäre (Cusanus, Bruno)
- 4. Die Selbstübereinstimmung des Himmels
- 5. Die imaginäre Sphäre
- II. Schriftgrund und Abgrund. Das All in Barthold Heinrich Brockes’. Irdisches Vergnügen in Gott
- 1. Expeditionen der Einbildungskraft. Ambivalenzen der Aufklärung des Himmels
- 2. Schauplatz und Buch Brockes’ Inventur des Kosmos
- 3. Die (Un-)Lesbarkeit des Himmels
- 4. Am Abgrund: »Das Firmament« zwischen Rhetorisierung des Unsagbaren und ästhetischer Neukonstitution
- 5. Irdisches Mißvergnügen. Der blinde Betrachter und die Evidenz der Leere
- 6. Auf dem Schriftgrund: Rose und Stern
- 7. Die Schrift der Anwesenheit
- 8. Transzendierung und immanente Entgrenzung des Himmels
- III. Die Himmelsleiter. Kosmische Augenblicke in Jean Pauls Titan
- 1. Nebelflecken und Weberschiffchen. Das All der Astronomie und das All im Text
- 2. Der Schleier der zweiten Welt. Der Blick ins All und das höhere Sehen
- 3. Auf der Schwelle. Semiotische Grenzgänge zwischen erster und zweiter Welt
- 4. Verkehrtbrücke. Die Konvergenz der Welten
- 5. Das commercium der Zeichen. Giannozzos »Elfte Fahrt«
- 6. Die Utopie der authentischen Darstellung
- 7. Blicke aus dem All. Beglaubigung und Selbstbeglaubigung der Zeichen
- IV. Die sprachliche Ordnung des Himmels. Die Sternwartenszene in Goethes. Wilhelm Meisters Wanderjahre
- 1. Ein Besuch Goethes auf der Sternwarte. Zwischen Astronomie und ungeheurem Weltganzen
- 2. Erzählte Ordnung. Das zehnte Kapitel des ersten Buchs der Wanderjahre
- 3. Diesseits des Ungeheuren. Kosmosschau und semiotische Reflexion
- 4. Der zitierte Himmel und der Kosmos der Sprache
- 5. Übereinstimmung. Mythische Ordnung und Ordnung des Archivs
- 6. Der geschlossene und der offene Kosmos
- 7. Ungeheure Herrlichkeit. Makarie und das Ganze
- V. Im Zeichenkosmos. Vervielfältigungen des Himmels in Adalbert Stifters Der Condor
- 1. Das sprechende Schweigen. Stifters Beschreibung der Sonnenfinsternis von 1842
- 2. Das »Nachtstück«: Der bedrohte und der bedrohliche Himmel
- 3. Das »Tagstück«: Die Himmelsreise als Blick zurück
- 4. Die Pergamente des Himmels. Die Wirklichkeit der Überschreibung
- 5. Laterna magica. Im Gehäuse des Zeichenkosmos
- Schlußbemerkung
- Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
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