Das letzte Buch des Kultautors Joris-Karl Huysmans erstmals auf Deutsch: sein eindrücklich realistischer Bericht über Lourdes, den Wallfahrtsort der Pilgermassen, der Kranken, des Kitsches und der Wunder.Skeptisch und nur auf Drängen von Freunden reist der legendäre Schriftsteller Huysmans nach Lourdes, und was er dort antrifft, hat in der Tat nur noch wenig mit der unberührten Idylle der Grotte am Flüsschen Gave zu tun, wo 1858 der vierzehnjährigen Bernadette Soubirous mehrfach die Jungfrau Maria erschienen sein soll. Es herrscht ein Riesenauflauf: Menschenhorden fluten den Ort, darunter viele bedauernswerte Wesen mit den schauerlichsten Krankheiten. Glaubenskitsch der billigsten Art ist ebenso allgegenwärtig wie der medizinische Betrieb für die kranken Pilger und der routinierte Ablauf der zahllosen Messen und Prozessionen. Bei all dem Ablenkenden, Irritierenden und oft auch Oberflächlichen aber entdeckt Huysmans nach und nach auch das Tiefmenschliche, das Schöne und das Berührende, und er beschließt, über das Phänomen Lourdes zu schreiben. Es wird sein letztes Buch – ein Zusammenklang von einfühlsamer Sprachkunst und kritisch beobachtender Reportage.

- 320 Seiten
- German
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eBook - ePub
Über dieses Buch
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Information
ANMERKUNGEN
1Huysmans wendet sich damit gegen hagiografische Überzeichnungen des Erscheinungsgeschehens und folgt der sorgfältig recherchierten und sachlichen Darstellung des Jesuiten Léonard-Joseph-Maria Cros, die 1901 erschienen ist (vgl. A. J. Kotulla: Nach Lourdes!, München 2006, S. 174).
2Nach neueren geologischen Gutachten gibt die Quelle tatsächlich die immerhin beachtliche Menge von 20 bis 40 Liter pro Minute, also bis zu rund 58 000 Liter in 24 Stunden ab.
3Spanischer Mystiker (1542–1591), zusammen mit Teresa von Ávila Begründer des Reformordens der Unbeschuhten Karmelitinnen und Karmeliten.
4Die vestalischen Priesterinnen hüteten im antiken Rom das Herdfeuer im Tempel der Vesta, das stets brennen musste. Die Danaiden waren nach der griechischen Mythologie die fünfzig Töchter des Königs Danaos, die in der Unterwelt als Strafe für ihre Verfehlungen unaufhörlich Wasser in ein Sieb gießen mussten – Sinnbild für eine nie endende, mühevolle Arbeit.
5D’Esquilin war ein mittelalterlicher Symbolist. Der hl. Ambrosius von Mailand (339–397) ist einer der lateinischen Kirchenväter, er war Bischof von Mailand, bedeutender Theologe und Kirchenpolitiker.
6Der hl. Karl Borromäus (1538–1584) war Kardinal und Erzbischof von Mailand und als Theologe aktiv an den katholischen Reformen nach dem Konzil von Trient beteiligt.
7Oberst Albert de Rochas (1837–1914), französischer Offizier, Militärhistoriker und Parapsychologe.
8Seilbahn, die auf den Pic du Jer in 889 Metern Höhe führt, 1899 eröffnet und 1997 umfassend modernisiert.
9Sogenanntes Wäscheblau, bestehend aus Stärkemehl und blauem Farbstoff (z. B. dem Pigment Ultramarin), wurde zu Huysmans’ Zeit häufig als Wäscheaufheller verwendet.
10Zuaven waren Infanteristen der französischen Armee, die man im kolonisierten Nordafrika rekrutierte. Sie trugen Uniformen im orientalischen Stil.
11Okzitanisch in der Bedeutung von »der göttliche Tau« (»De Dious la rouzado«) und »der Kleine / das kleine Kind« (»pitchoun«).
12Tatsächlich gab es seitens der antiklerikalen Presse Bestrebungen, die staatliche Schließung von Lourdes mit Hinweis auf die mangelnde Hygiene in den Bädern zu erreichen (vgl. A. J. Kotulla: Nach Lourdes!, München 2006, S. 137).
131885 gegründete Laienbruderschaft mit der weiblichen Untergliederung Dames hospitalières, die sich die Betreuung der Pilger während der Wallfahrtszeit zur Aufgabe gemacht hat und bis heute in Lourdes aktiv ist. Eine Unterorganisation ist die Deutsche Hospitalité.
14Huysmans spricht bei Hauttuberkulose einfach von Lupus, er meint Lupus vulgaris, eine heute in Europa sehr seltene Erkrankung, bei der sich in Folge von Tuberkulose Geschwüre und Eiterherde bilden, die nicht heilen.
15Im französischen Originaltext »cour des Miracles« in Anspielung auf eine verelendete Gegend in Paris, die so genannt wurde. Victor Hugo fand in den Zuständen dort Stoff für seinen Roman Les Misérables.
16Bondon ist ein Käse aus der Normandie mit einer weißschimmeligen Rinde.
17Das Gemälde Der Blindensturz von Pieter Bruegel dem Älteren aus dem Jahr 1568 versinnbildlicht Matthäus 15,14, wo es heißt: »Lasst sie, es sind blinde Blindenführer. Und wenn ein Blinder einen Blinden führt, werden beide in die Grube fallen.« Es befindet sich heute im Museo di Capodimonte in Neapel.
18Auch Huysmans pflegte die zu seiner Zeit bei den französischen Intellektuellen verbreiteten Vorurteile gegenüber der oft Okzitanisch sprechenden südfranzösischen Bevölkerung. Der Historiker Jules Michelet etwa schrieb in seinem Hauptwerk Histoire de France von 1835 (Bd. 3, S. 71): »La vrais France, la France du Nord« (»Das wahre Frankreich, das Frankreich des Nordens«).
19Das Bureau des Constatations Médicales ist bis heute in Lourdes zuständig für die Untersuchung von Kranken, die eine außerordentliche Heilung erfahren haben wollen. Die Vorgeschichte der Krankheiten und der aktuelle Zustand werden erhoben, um die Art der Heilung nach strengen medizinischen Kriterien beurteilen zu können.
20Thérèse Rouchel wird nicht in der Liste der 69 offiziell kirchlich anerkannten Heilungswunder aufgeführt. Die von Huysmans geschilderte deutliche Besserung ihrer Mischinfektion aus Hauttuberkulose und Syphilis ist jedoch tatsächlich eingetreten, bestätigt durch Ärzte in Lourdes und ihren behandelnden Arzt in Metz, allerdings blieben Restsymptome. Ihr Fall hat in Deutschland hohe Wellen geschlagen, da sie die erste in Lourdes Geheilte aus dem deutschen Reichsgebiet war, zu dem Metz zu dieser Zeit gehörte. Die heftigen Polemiken gegen Lourdes im Rahmen der Diskussionen um den Fall Rouchel sind auch im Zusammenhang mit dem nachwirkenden Kulturkampf und vor dem Hintergrund der damals in Deutschland verbreiteten antifranzösischen und antikatholischen Ressentiments zu sehen. (vgl. A. J. Kotulla: Nach Lourdes!, München 2006, S. 451 f.).
21Das korrekte Datum ist nach der offiziellen Website des Sanctuaire Notre-Dame de Lourdes der 21. August 1892. Einen Tag vorher wurde Marie Lebranchu geheilt, die ebenfalls an Tuberkulose litt. Beide Fälle, die zu den offiziell anerkannten Wunderheilungen von Lourdes gehören, werden wegen der zeitlichen Nähe der Heilungen mitunter verwechselt.
22Boissarie, den Zola in seinem Roman Lourdes ziemlich boshaft als Doktor Bonamy karikiert hat, ging öffentlich gegen dessen willkürliche Verdrehung der Tatsachen an. Er berief in Paris eine Pressekonferenz ein, um die korrekte Sicht der Dinge darzustellen. Unter anderem präsentierte er Marie Lebranchu und Marie Lemarchand, die an Tuberkulose erkrankt gewesen waren und deren Heilung Zola selbst in Lourdes miterlebt hatte, gesund und munter den Pressevertretern. Zola hat den Fall der Marie Lebranchu (im Roman: »die Grivotte«) so geschildert, wie es eben zu seiner Zielsetzung, den Nimbus von Lourdes zu zerstören, passte. Bei ihm hat die nur scheinbar Geheilte bereits während der Heimfahrt einen Rückfall und stirbt bald danach zu Hause. Zola war von Boissarie zu der Pressekonferenz eingeladen worden, zog es aber vor, der Veranstaltung fernzubleiben (vgl. A. J. Kotulla: Nach Lourdes!, München 2006, Abschnitt: III, 2, c).
23Das Journal wurde 1886 gegründet. Unter der Leitung von Pater Joseph Eckert, den François-Xavier Schoepfer, der Bischof von Tarbes, 1901 zum Sécretaire particulier berufen hatte, entwickelte es sich zum wichtigsten Presseorgan des Wallfahrtsortes. Im Breitformat und mit großen Illustrationen berichtet es über die Ereignisse in Lourdes und über aktuelle Heilungen (vgl. A. J. Kotulla: Nach Lourdes!, München 2006, S. 159 f.).
24Pierre Louis-Marie Chanel (1803–1841), heiliggesprochen 1954 durch Papst Pius XII., sein Geburtsort Cuet gehört heute zu Montrevel-en-Bresse (Ain).
25Novene (von lat. novem = neun) ist ein Gebet, das an neun aufeinanderfolgenden Tagen verrichtet wird, zur Fürbitte, zur Begleitung wichtiger Lebensereignisse oder zur Vorbereitung eines Hochfestes.
26Das Maison Raffl war ein Pariser Hersteller religiöser Skulpturen in der Rue Bonaparte von 1857 bis in die 1920er Jahre, meist Massenproduktion, vielfach aus Gips im Saint-Sulpice-Stil (siehe folgende Anmerkung). Die Statue der Heiligen Jungfra...
Inhaltsverzeichnis
- Cover
- Titel
- INHALT
- Vorbemerkung
- I Feuer und Wasser
- II Prozessionen und Bäder
- III Auf dem Hof der Monster
- IV Im Konstatierungsbüro von Doktor Boissarie
- V Die bizarre Hässlichkeit des Bösen
- VI Messen für die Massen
- VII Heizraum der Frömmigkeit
- VIII Die Legende vom Stein
- IX Das Feuerrad der Heiligen Jungfrau
- X Die Heilung der Marie des Anges
- XI Geschäfte, Intrigen, Mythen
- XII Die Wunderheilungen: Für und Wider
- XIII Heilungen in den Ablegern von Lourdes
- XIV Die zwei Seiten von Lourdes
- Anhang: Die Vorläufer von Lourdes
- Anmerkungen
- Nachwort
- Impressum
Häufig gestellte Fragen
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