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Linguistik der Eigennamen
- 432 Seiten
- German
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Linguistik der Eigennamen
Über dieses Buch
Eigennamen genießen im Sprachsystem einen Sonderstatus, dem erst in den letzten Jahren verstärkte Aufmerksamkeit zukam. Personennamen stehen an der Spitze der Belebtheitshierarchie, müssen als spezielle, rein identifizierende Sprachzeichen erkennbar sein und bedürfen besonderer Schonung ihres Wortkörpers. Abweichungen vom 'Normalwortschatz' betreffen alle sprachlichen Ebenen und werden (im Deutschen) diachron ausgebaut. Die Beiträge beleuchten datenbasiert (syn- und diachron) onymische Sonderwege in den verschiedenen Bereichen der Grammatik. Das Spektrum reicht von der Phonologie bis zur Pragmatik. Im Fokus stehen u.a. Prozesse der (De-)Onymisierung, der onymischen (De-)Flexion, kreative Wortbildungen sowie soziopragmatische Steuerungen von Genus und Definitartikel. Der nun vorliegende Band richtet sich an das linguistische Fachpublikum, an Lehrende und Studierende. Er bündelt die aktuellsten Forschungsergebnisse und versteht sich als Impuls zur weiteren Erforschung des Spannungsfeldes zwischen Onymik und Appellativik.
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Information
Phonologie und Morphologie
Historische Rufnamen im Kontakt
Integration der altisländischen Pilgernamen auf der Reichenau in die mittelhochdeutsche Schreibsprache
Michelle Waldispühl
Danksagung
Ich danke Ivar Berg und Kevin Müller für Kommentare zu diesem Artikel. Die Verantwortung für allfällige Fehler liegt selbstverständlich allein bei mir.
Zusammenfassung
Dieser Beitrag diskutiert die Integration altisländischer Rufnamen ins Mittelhochdeutsche mit Schwerpunkt auf Phonologie und Graphematik. Die Untersuchung zeigt, dass auf Grund des hohen Anteils semantisch opaker Namen im hier behandelten Material die phonetische Integration überwiegt. Wo jedoch Koppelungen zum einheimischen sprachlichen Repertoire möglich sind, greift die Integration auf anderen Sprachebenen. Dies entspricht bisherigen kontaktgrammatischen Einsichten aus der Toponymie, deren Modelle gemäß vorliegender Studie auf die Anthroponymie angewandt werden können. Da die hier untersuchten Rufnamen aus einer mündlichen Sprachkontaktsituation stammen, lassen sie zusätzlich Schlüsse zu mhd. phonologischen Gegebenheiten, wie silbensprachlicher Phonotaktik oder Lenisierung, und altisländischen Lautveränderungen des 12. Jahrhunderts zu. Zudem zeigt sich ein hoher Grad an graphematischer Systemhaftigkeit seitens des Schreibers, die bei Konsonantenverschriftungen stärker ausgeprägt ist als bei Vokalen.
1 Einleitung
Adaptionen des eigenen Namens in fremdsprachigem Gebiet kennt man als mobiles Individuum heutiger Zeit nur zu gut. Das Inventar an Varianten meines eigenen Familiennamens beispielsweise ist, seit ich in Schweden lebe, um etliche Belege gewachsen. Darunter finden sich fehlerhafte Abschriften wie Wahldispühl, Waldisphül, Waldispiihl, Waldispule und Waldenspiel oder auf Diktat beruhende Verschriftungen wie Walspyl oder Wanderstyl. Der Familienname ist nicht nur unbekannt in Schweden, sondern phonetisch und graphematisch deutsch markiert und bietet Anlass für kontaktinduzierte Neubildungen. Diese wiederum wirken befremdend, da sie entgegen namen-grammatischer Tendenzen zur Schemakonstanz (vgl. Einleitung) den Namenkörper alles andere als schonen, sondern zu diversen "bewegten" Formen führen.
Dieser Beitrag widmet sich vergleichbaren Kontaktphänomenen in mittelalterlichen Rufnamen mit einem Schwerpunkt auf phonologischer und graphematischer Integration. Gegenstand der Untersuchung sind altisländische (im Folgenden altisl.) Namen im Verbrüderungsbuch des Klosters Reichenau, die per Diktat von einem lokalen deutschsprachigen Schreiber verschriftet wurden. Vor dem Hintergrund dieser mündlichen Sprachkontaktsituation steht die Frage im Zentrum, welche kontaktgrammatischen Phänomene sich zeigen und welche mhd. graphematischen und phonologischen Gegebenheiten, bzw. welche altisl. Lautveränderungen sich in den Belegen widerspiegeln.
Die Grammatik von Namen im Sprachkontakt ist Gegenstand des noch relativ jungen Felds der Kontaktonomastik (auch Interferenz-Onomastik oder Transferonomastik genannt) (vgl. Sandnes 2016).1 Die bisherigen Beiträge stammen fast ausschließlich aus der Namenforschung und weniger aus der Sprachkontaktforschung, wo Namen als Kategorie stark vernachlässigt sind – eine Tatsache, auf die in jüngerer Zeit mehrfach aufmerksam gemacht wurde (vgl. z.B. Petrulevich 2016: 40; Blomqvist 2017: 76f.). Zudem fußen bisherige Modelle zum Integrationsverhalten von Namen – es gibt zum einen strikt systemlinguistisch ausgerichtete (Bergmann 2011; Sandnes 2016) und zum anderen Prozessmodelle, die den Zeitfaktor und eine mögliche Schichtung von mehreren wie auch medial unterschiedlichen (mündlichen/schriftlichen) Kontaktsituationen in Betracht ziehen (Hengst 1996; Hengst 2011; Petrulevich 2016) – alle auf Ortsnamen. Für Rufnamen im Kontakt fehlen bisher vergleichbare Modelle und größer angelegte Studien. Die Namentypen auseinanderzuhalten scheint relevant, weil Rufnamen im Vergleich zu Ortsnamen weniger Überschneidungen mit der appellativischen Lexik zeigen, d.h. opaker sind und sich zudem grammatisch anders verhalten (Harweg 1999: 195; vgl. Nübling, Fahlbusch & Heuser 2015: 65), weshalb auch kontaktgrammatische Unterschiede zu erwarten sind. Ebenso vernachlässigt in der bisherigen Forschung sind Muster der graphematischen Integration. Insbesondere für die von Variation geprägten historischen Schreibsprachen stellt die eingehende Untersuchung der graphematischen Ebene nicht nur eine Voraussetzung für die Beurteilung der Integration auf anderen Sprachebenen dar, sondern verspricht auch zentrale Resultate über herrschende Schreibpraktiken und Kontaktsituation. Es gibt im Bereich der Kontaktonomastik, speziell in Bezug auf Rufnamen, noch großen Forschungsbedarf, nicht nur um das Integrationsverhalten sowohl paradigmatisch als auch syntagmatisch, synchron und diachron zu beschreiben, sondern auch um Einflussfaktoren und Integrationsprozesse zu verstehen. Meine folgende Mikrostudie ist ein kleiner Beitrag zum Feld, der aber deshalb relevant ist, weil die Kontaktsituation und die Kontaktsprachen relativ genau bestimmt sind und die unmittelbare Verschriftung von der gesprochenen in die geschriebene Sprache im historischen Material nachvollzogen werden kann, was auf anderen Wegen kaum mögliche Rückschlüsse auf die Phonologie beider Sprachen erlaubt.
2 Nordgermani...
Inhaltsverzeichnis
- Title Page
- Copyright
- Contents
- Warum eine Linguistik der Eigennamen?
- Phonologie und Morphologie
- Morphosyntax
- Pragmatik
- Index
Häufig gestellte Fragen
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