Die Frau Professorin. Eine SchwarzwÀlder Dorfgeschichte
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Die Frau Professorin. Eine SchwarzwÀlder Dorfgeschichte

  1. 128 Seiten
  2. German
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Die Frau Professorin. Eine SchwarzwÀlder Dorfgeschichte

Über dieses Buch

Eine Geschichte ĂŒber ein grundverschiedenes Paar: Reinhard ist Professor an der Kunstakademie und verliebt sich in die vom Dorf stammende Lorle. Das Ehepaar zieht in eine Residenzstadt, doch schon bald zeigt sich, dass Lorle sich in der Stadt nicht wohlfĂŒhlt und Reinhard zunehmend davon genervt ist, seine Frau in die stĂ€dtischen Kreise einfĂŒhren zu mĂŒssen. Als auch ein Versuch der Vereinbarkeit misslingt, zieht Lorle zurĂŒck in ihr Dorf...

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Information

Jahr
2020
eBook-ISBN:
9788726614527

Das war ein Sonntagsleben.

Am andern Morgen stand der Collaborator ganz frĂŒh vor dem Bette Reinhards und sang mit wohlgebildeter, krĂ€ftiger Stimme, die man ihm nicht zugemuthet hĂ€tte, das Lied aus Preciosa: ,,Die Sonn’ erwacht“ mit Webers thaufrischer Melodie. Reinhard schlug murrend um sich.
„Ein Mann wie du,“ sang der Collaborator recitando, ,,der das herrliche Bild SonntagsfrĂŒhe abconterfeit, darf einen Morgen nicht verschlafen, wie der heut, bum, bum.“
Reinhard war still und der Collaborator fuhr sprechend fort: „Was fangen wir heut’ an? Es ist Sonntagmorgen, es hat heut’ Nacht geregnet, als ob wir’s bestellt hĂ€tten; Alles glitzert und flimmert draussen. Was treiben wir nun? Giebt’s keine Kirchweihe in der NĂ€he? Kein Volksfest?“
„Vrat’ dir ein Volksfest,“ entgegnete Reinhard, ,,trommle dir die Massen zusammen, die du brauchst, und sattle dein Gesicht mit einem Operngucker; wirf Geld unter die Kinder, dass sie sich raufen und ĂŒbereinander purzeln, dann hast du ein Volksfest mit ipse fecit.“
„Du warst gestern Abend so lustig und bist heute so mĂŒrrisch.“
„Ich war nicht lustig und bin nicht mĂŒrrisch; ich bin nur ein Kerl, der eigentlich allein sein sollte und verdammterweise doch keinen Tag allein sein kann. Pass auf, wie ich’s meine. Es ist mir lieb, wenn du bei mir bist; ein Freund wie du, der’s so treu meint, ist wie wenn man Geld im Schrank hat; braucht man’s auch nicht, es unterstĂŒtzt doch, weil man weiss, man kann’s holen, wenn Noth an Mann geht. Also bleib’ die noch ĂŒbrigen Tage deiner Ferien da, aber lass mich auch ein bischen mir.“
„Ich begreife dich wohl. Hier empfĂ€ngst du den Kuss der Muse und da darf kein fremdes, betrachtendes Auge dabei sein. Ich will dich gewiss ganz dir ĂŒberlassen, stets zurĂŒcktreten, wo sich dir irgend ein Motiv zu einem Bilde bieten könnte; da darf man nicht mit Fingern hindeuten, nicht einmal profanen Auges hinschauen. Die Wurzel, die schaffende Triebkraft alles Lebens, ruht im Dunkel, wo kein Sonnenblick, wo kein Auge hindringt.“
,,Das, auch,“ sagte Reinhard, „und fĂŒr dich selber merke dir: will nicht von jedem Augenblicke etwas, ein Resultat, einen Gedanken und dergleichen; lebe und du hast Alles. Wir stecken in der Gedankenhetzjagd, die uns gar nicht mehr in Ruhe das Leben geniessen lĂ€sst, du vor Allen, aber ich kann auch sagen wie jener Pfarrer in seiner Strafpredigt: Meine lieben Zuhörer, ich predige nicht nur fĂŒr euch, ich predige auch fĂŒr mich. — Lass und leben! leben! Der Hollunder blĂŒht, er blĂŒht und nicht blos damit ihr Euch einen Thee daraus abbrĂŒht, wenn ihr euch erkĂ€ltet habt.“
,,Entschuldige, wenn ich dir sage,“ bemerkte der Collaborator in zaghaft rĂŒcksichtsvollem Tone, ,,es steckt mehr Romantik in dir als du glaubst, das war ja auch die blaue Blume der Romantiker: ohne alle Reflexion zu sein, im Volgenuss des Nichtwissens.“
„Bin nicht ganz einverstanden, aber meinetwegen heiss’ es Romantik, wenn das Kind einen Namen haben muss.“
Reinhard stand halb angekleidet am Fenster und sog die Morgenluft in vollen ZĂŒgen ein; plötzlich prallte er zurĂŒck, der Collaborator sprang schnell an das leere Fenster und sah hinaus. Das Wirthstöchterlein ging ĂŒber den Hof, luftig gekleidet, ohne Jacke und barfuss. Eine Schaar junger Enten umdrĂ€ngte sie schnatternd.
„Ihr Fresserle,“ schalt sie und verzog Damit trotzig den Mund, ,,könnet’s nicht verwarten, bis eure Kröpfle vollgestopft sind? Euch solltÊŒ man alle Viertelstund’ anrichten, nicht wahr? Nur stet, ich hol’s ja, nur Geduld, ihr mĂŒsset halt auch Geduld lernen; aus dem Weg! ich tret’ euch ja.“
Die jungen Entchen hielten an, als ob sie die Worte verstĂ€nden, das MĂ€dchen ging nach der Scheune und kam mit Gerste in der SchĂŒrze wieder. „Da,“ sagte sie, eine Handvoll ausstreuend, „g’segn’ euch’s Gott! Gunnet’s euch doch, ihr Neidteufel und purzelt nicht ĂŒber einander weg, scht!“ scheuchte sie und warf eine Handvoll Gerste weiter abseits, „ihr HĂŒhner, bleibt da drĂŒben.“ Der Hahn stand auf der Leiter an der Scheune und krĂ€hte in die Welt hinein. „Kannst’s, noch, accurat wie gestern,“ sagte das MĂ€dchen sich verbeugend, „komm’ jetzt nur ’runter; bist halt grad wie die Mannsleut’, die lassen immer auf sich warten, wenn das Essen auf dem Tisch steht.“
Der Hahn kam auch herabgeflogen und liess sich’s wohl schmecken, plauderte aber viel dabei; wahrscheinlich hatte er eben etwas Geistreiches oder Possiges gesagt, denn eine gelbe Henne, die gerade ein Korn aufgepickt hatte, schĂŒttelte den Kopf und verlor das Korn. Der Galante sprang behende herzu, holte das Verlorene und brachte es mit einem Kratzfusse, einige verbindliche Worte murmelnd.
„Guten Morgen, Jungferle,“ rief jetzt der Collaborator in den Hof hinab; das MĂ€dchen antwortete nicht, sondern sprang wie ein Wiesel davon und ins Haus; die jungen Enten und die HĂŒhner schauten bedeutsam nach dem Fenster hinauf, sie mochten wol ahnen, dass von dorther die Störung gekommen war, die ihnen die fernere Nahrung entzog.
„Das ist ein MĂ€dchen! ach, das ist ein MĂ€dchen!“ rief der Colaborator in die Stube gewendet und ballte beide FĂ€uste zum Himmel; er durchmass hierauf zweimal ohne zu reden die Stube, stellte sich dann vor Reinhard und begann wieder:
,,Da hast du’s, ich kann weiter nichts sagen als: das ist ein MĂ€dchen. Kein Epitheton genĂŒgt mir, keines. Hier haben wir ein Gesetz der Volkspoesie, sie gibt den vollsten Ausdruck, macht die tiefste Wirkung oft blos durch das einfache Substantiv, ohne Epitheton; meiner Sprache steht jetzt in solcher EntzĂŒckung nicht mehr zu Gebote, als der eines Bauernburschen.“
„Was hĂ€ltst du davon, wenn wir uns mit dem Epitheton „göttlich“ begnĂŒgten?“
„Spotte jetzt nicht, das MĂ€dchen musst du malen, wie es dastand, eins mit der Natur, zu ihr redend und von ihr begriffen, die vollendete Harmonie.“
„Es wĂ€re allerdings etwas nie Dagwesenes: ein MĂ€dchen im HĂŒhnerhofe.“
„Nun, wenn auch nicht so, das MĂ€dchen musst du malen, hier ist dir ein sĂŒsses Naturgeheimniss nahegestellt, du“ —
„Ins Teufels Namen, so schweig doch still, wenn es ein Geheimniss ist. Du schwatzest schon am frĂŒhen Morgen, dass man nicht mehr weiss, wo Einem der Kopf steht.“
Die beiden Freunde sassen eine Weile lautlos bei einander; endlich sagte der Collaborator aufstehend:
,,Du hast Recht, der Morgen ist wie die stille Jugendzeit, da muss man den Menschen allein lassen, fĂŒr sich, bis er nach und nach aus sich erwacht; man soll ihn nicht aufrĂŒtteln. Ich gehe in den Wald, du gehst doch nicht mit?“
„Nein.“
Der Collaborator ging und Reinhard sass lange still, das viele Reden und RĂŒtteln des Collaborators hinterliess ihm die Empfindung, als ob er von einer gerĂ€uschvollen Reise kĂ€me; die ruhige SpiegelglĂ€tte des Morgenlebens war ihm zu hastigen Wellen aufgehetzt. Reinhard war verstimmt und nervengereizt, er legte sich nochmals auf das Bett und verfiel in leisen Schlummer. Die Glocken des Kirchthurms weckten ihn, es lĂ€utete zum Erstenmal zur Kirche. Reinhard ging hinab in die KĂŒche; die BĂ€rbel, seine alte Gönnerin, die sonst so freundlich mit ihm geplaudert hatte, war unwirsch, sie sagte, er solle nur in die Stube gehen, sie hielte ihm schon seit drei Stunden den Kaffee bereit und man könne ja das Feuer nicht ausgehen lassen von seinetwegen. Reinhard war eben im Begriffe ihr eine barsche Antwort zu gehen, er hatte es genug, sich ĂŒber den gestrigen Scherz hart behandeln zu lassen, da hörte er die Stimme Lorle’s von der Laube:
„BĂ€rbel, komm ause, guck ob’s so recht ist.“
„Komm’ du ’rein, ist grad so weit; mach nur fort, es wird schon recht sein.“
Ohne eine Antwort gegeben zu haben, verliess Reinhard die KĂŒche, er ging aber nicht in die Stube, sondern fast unhörbar nach der Laube. Ungesehen von dem MĂ€dchen konnte er dasselbe eine Weile beobachten; er stand betroffen beim ersten Anblick. Das war ein Antlitz voll seligen, ungetrĂŒbten Friedens, eine sĂŒsse Ruhe war auf den runden Wangen ausgebreitet; diese ZĂŒge hatte noch nie eine Leidenschaft durchtobt oder ein wilder Schmerz, ein ReuegefĂŒhl verzerrt, dieser feine Mund konnte nichts Heftiges, nichts Niedriges aussprechen, eine fast gleichmĂ€ssige zarte Röthe durchhauchte Wange, Stirn und Kinn, und wie das MĂ€dchen jetzt mit niedergeschlagenen Augen das BĂŒgeleisen still auf der Halskrause hielt, war’s wie der Anblick eines schlafenden Kindes; als es jetzt die Krause emporhob, die grossen blauen Augen aufschlug und den Mund spitzte, trat Reinhard unwillkĂŒrlich mit GerĂ€usch einen Schritt vor.
„Guten Morgen, oder bald Mittag,“ nickte ihm Lorle zu.
„Schön Dank, seid Ihr wieder gut?“
„Ich bin nicht bös gewesen, ich wĂŒsst’ nicht warum. Habt Ihr gut geschlafen?“
„Nicht so völlig.“
„Warum? Habt Ihr was trĂ€umt? Ihr wisset ja, was man in der ersten Nacht in einem fremden Bett trĂ€umt, das trifft ein.“
,,Aber mein Traum nicht.“
„Nun, was ist’s denn gewesen? DĂŒrfet Ihr’s nicht sagen?“
,,Ganz wohl, und Euch besonders, ich hab’ von Euch trĂ€umt.“
„Ach, von mir, das kann nicht sein. Gucket, machet mir keine Flatusen; es hat mich verdrossen, wenn Ihr mich frĂŒher Grundel geheissen habt, aber es wĂ€r’ mir noch lieber, wenn Ihr so saget, als wenn Ihr mir so was Gaukliches vormachet.“
„Ich kann ja auch was trĂ€umt haben, das gar kein’ Flatuse ist. Machet aber nur kein Gesicht, es ist nichts Böses, es ist blos dumm. Mir hat’s trĂ€umt, ich sei mit Euch auf dem BernerwĂ€gele gesessen und Euer Rapp war angespannt, und hat eine grossmĂ€chtige Schelle um den Hals gehabt, die hat gelĂ€utet wie die Kirchenglock’, und der Kapp ist nur so durch die Luft dahingeflogen, seine MĂ€hne ist hoch aufgestanden und man hat kein Rad gehört und wir sind doch immer fort und fort. Ich hab’ den Rapp halten wollen, er hat mir aber schier die Arme aus dem Leib gerissen und Ihr seid immer ganz ohne Angst neben mir gesessen und so immer fort; plötzlich legt sich der Wagen ganz sanft um und wir sind auf dem Boden gelegen, da ist mein Kamerad kommen und hat mich geweckt.“
„Das ist ein wunderlicher Traum, aber in den nĂ€chsten vier Wochen fahr’ ich nicht mit Euch. Was ich hab’ sagen wollen, Euer Kamerad ist ein wunderlicher Heiliger, mein Vater sagt, er sei stolz und hochmĂŒthig, ich mein’ eher, er sei zimpfer und ungeschickt.“
„Ihr habt ihm doch seine Störung verziehen?“
„Ja. Seid Ihr auch schon auf gewesen?“
„Nicht ganz. Mit meinem Kameraden habt Ihr Recht, er ist nicht stolz, im Gegentheil scheuch und furchtsam.“
„Ja, das hab’ ich auch denkt, und grad weil er scheuch und furchtsam ist, da geht er so auf die Leut’ ’nein und thut wie wenn er sie zu Boden schwĂ€tzen wollt’. Wie ich vorlĂ€ngst bei der Vroni auf der HohlmĂŒhle gewesen bin, Ihr wisset ja, sie ist mit meinem Stephan versprochen, sie heirathen bis zum Herbst und er ĂŒbernimmt die MĂŒhle; Ihr seid doch auch noch da zur Hochzeit?“
„Kann sein, aber Ihr habt mir was erzĂ€hlen wollen?“
„Ja, das ist Recht, dass Ihr Einen beim Wort behaltet, ich schwĂ€tz’ sonst in den Tag ’nein. Nun wie ich drunten in der HohlmĂŒhle bin, da wird’s Nacht und da haben sie mir das Geleit geben wollen, ich hab’s aber nicht zugeben und es wĂ€r’ mir doch recht gewesen. Ich bin halt jetzt allein fort, im Wald da ist mir’s aber katzhimmelmĂ€uslesangst worden, und weil ich mich so gefĂŒrcht’t hab’, da hab’ ich allfort pfiffen, wie wenn ich mir aus der ganzen Welt nichts machen thĂ€t. Ja, wie komm ich denn aber jetzt da drauf, dass ich Euch das erzĂ€hl’?“ schloss Lorle, die Lippen zusammenpressend und die Augen nachdenklich einziehend.
„Wir haben von meinem Kameraden gesprochen und“ —
„Ja, Ihr bringet mich wieder drauf; der pfeift auch so lustig, weil er Angst hat, nicht wahr?“
,,Vollkommen getroffen. Ihr mĂŒsst nun aber recht freundlich gegen ihn sein, er ist ein herzguter Mensch, der’s verdient, und es wird ihn ganz glĂŒcklich machen.“
,,Was ich thun kann, das soll geschehen. Ist er noch ledig?“
,,Er ist noch zu haben, wenn er Euch gefĂ€llt.“
„Wenn Ihr noch einmal so was saget,“ unterbrach Lorle, das BĂŒgeleisen aufhebend, „so brenn’ ich Euch da den Bart ab. Ja, dass ich’s nicht vergess’, lasset Euch Euern Bart nicht abschwĂ€tzen, er steht Euch ganz gut.“
,,Wenn er Euch gefĂ€llt, wird er sich um die ganze Welt nichts scheeren.“
,,Was gefĂ€llt? Was ist da von gefallen die Red’?“ ertönte eine krĂ€ftige Weiberstimme, es war die der BĂ€rbel.
,,Das Lorle ist in meinen Kameraden verschossen,“ sagte Reinhard.
,,Glaub’ ihm nichts, er ist ein Spottvogel,“ rief das MĂ€dchen und BĂ€rbel entgegnete:
,,Herr Reinhard, ganget ’nein und trinket Guern Kaffee; Ich g’wĂ€rm ihn Euch nimmer.“
,,Geht Euer Goller da in die Kirch’?“ wendete sich Reinhard an Lorle und erhielt die Antwort:
„Nein, das gehört der BĂ€rbel, die geht, ich bleib’ daheim; Ihr geht doch auch?“
,,Ja,“ schloss Reinhard und trat in die Stube. Er hatte eigentlich nicht die Absicht gehabt, in die Kirche zu gehen, aber er musste und wollte jetzt; er musste, weil er’s versprochen, und wollte, weil Lorle allein zu Hause blieb. Und wie wir unsern Handlungen gern einen allgemeinen Charakter gehen, so redete er sich auch ein, er gewinne durch die Theilnahme an dem Kirchengange auf’s Neue die Grundlage zur Gemeinsamkeit des Dorflebens und ein Recht darauf.
WĂ€hrend Reinhard in der Stube dies ĂŒberdachte, sagte Lorle draussen auf der Laube: ,,Denk nur, BĂ€rbel, er hat heut Nacht von mir trĂ€umt.“
,,Wer denn?“
„Nu, der Herr Reinhard.“ Lorle verfehlte nie, auch wenn sie von dem Abwesenden sprach, das Wort ,,Herr“ zu seinem Namen zu setzen.
„Lass dir von dem Fuchsbart nichts aufbinden,“ entgegnete BĂ€rbel.
„Und der Bart ist gar nicht fuchsig,“ sagte Lorle voll Zorn, „er ist ganz schön kĂ€stenbraun und der Herr Reinhard ist noch grad so herzig wie er gewesen ist, und du hast doch frĂŒher, wo er nicht dagewesen ist, immer so gut von ihm gered’t und du hast Unrecht, dass du jetzund so ĂŒber ihn losziehst. Wenn er auch den Spass mit dem Ausschellen gemacht hat, er ist doch nicht stolz, er red’t so gemein und so getreu.“ —
„Ich kann nichts sagen als: nimm dich vor ihm in Acht, und du bist kein Kind mehr.“
,,Ja das mein’ ich auch, ich weiss doch auch wie Einer ist, ich . . .“
,,Gib mir mein Goller, du zerdrĂŒckst’s ja wieder,“ sagte BĂ€rbel und ging davon.
Reinhard wandelte sonntĂ€glich gekleidet mit Stephan und Martin nach der Kirche. Alles nickte ihm freundlich zu, Manche lachten noch ĂŒber die seltsame Bartzier, aber der TrĂ€ger derselben war ihnen doch heimisch; sie fĂŒhlten es dunkel, dass er zu ihnen gehörte, da er nach demselben Heiligthume, zu derselben Geistesnahrung mit ihnen wallfahrtete.
Auf dem Wege fragte Martin: „Nun was saget Ihr aber zu unserm Lorle? ...

Inhaltsverzeichnis

  1. Titel
  2. Kolophon
  3. Es kamen zwei fremde Gesellen.
  4. Das war ein Sonntagsleben.
  5. Bergaus und bergein.
  6. Hoch zum Himmel hinan!
  7. Nur stet.
  8. Sie ziehen in die weite Welt.
  9. Zwischen hohen Mauern.
  10. FĂŒrnehmes Leben, fĂŒrstliches Brod.
  11. Die FlĂŒgel ausgebreitet!
  12. Und dann?
  13. Über Die Frau Professorin. Eine SchwarzwĂ€lder Dorfgeschichte
  14. Anmerkungen

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