Der "Westen" gehört zu den bedeutendsten Begriffen des internationalen politischen Vokabulars im 20. Jahrhundert. An der langen Jahrhundertwende wurde er in Europa und den USA in markanter Weise geprägt: als Begriff der kolonialen Zivilisierungsmission und als Gegenpart zu einem mit dem russischen Autokratismus assoziierten "Osten". Im "Westen" verorteten die imperialen Großmächte ihre angeblich überlegene "Zivilisation"; mit ihrer proklamierten Zivilisierungsmission rechtfertigten sie koloniale Herrschaft und Gewalt. Während des Ersten Weltkriegs wurde der "Westen" zum Schlagwort der Alliierten, besonders nach dem Kriegseintritt der USA, während Deutschland seine Ablehnung gegenüber "Westlertum" und "westlicher Demokratie" kultivierte. Im Begriff des "Westens" kristallisierte sich die Ambivalenz der Moderne.

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Zivilisatorische Verortungen
Der "Westen" an der Jahrhundertwende (1880–1930)
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Zivilisatorische Verortungen
Der "Westen" an der Jahrhundertwende (1880–1930)
Über dieses Buch
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Information
Thema
GeschichteAutorinnen und Autoren
Prof. Dr. Riccardo Bavaj, Professor für Neueste Geschichte an der University of St. Andrews.
Dr. Benjamin Beuerle, Fellow und Wissenschaftlicher Koordinator des Forschungsbereiches „Russlands Nordpazifik“ am Deutschen Historischen Institut Moskau.
Prof. Dr. Christian Geulen, Professor für Neuere und Neueste Geschichte und ihre Didaktik an der Universität Koblenz-Landau.
Dr. Florian Greiner, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Augsburg.
Prof. Dr. Peter Hoeres, Professor für Neueste Geschichte an der Universität Würzburg.
Dr. Jakob Lehne, Unabhängiger Historiker und Buchhändler bei Hartliebs Bücher in Wien.
Prof. Dr. Leonid Luks, Professor Emeritus für Mittel- und Osteuropäische Zeitgeschichte an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.
PD Silke Mende, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin.
Dr. des. Christian Methfessel, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Globalgeschichte der Universität Erfurt.
Dr. Katja Naumann, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europas in Leipzig.
PD Dr. Martina Steber, Stellvertretende Leiterin der Forschungsabteilung München am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin.
Dr. Florian Wagner, Akademischer Rat für Europäische Geschichte in Globaler Perspektive an der Universität Erfurt.
1 From Cape to Cairo, in: Puck, 10. 12. 1902, Library of Congress Digital, ID: ppmsca 25696, http://hdl.loc.gov/loc.pnp/ppmsca.25696 [25. 10. 2017].
2 Rudyard Kipling, The White Man’s Burden. The United States and the Philippine Islands, in: The New York Sun, 10. 2. 1899.
3 Vgl. Boris Barth/Jürgen Osterhammel (Hrsg.), Zivilisierungsmissionen. Imperiale Weltverbesserung seit dem 18. Jahrhundert, Konstanz 2005.
4 Vgl. Jürgen Osterhammel, „The Great Work of Uplifting Mankind“. Zivilisierungsmission und Moderne, in: Barth/Osterhammel (Hrsg.), Zivilisierungsmissionen, S. 363–426, hier S. 369.
5 Jürgen Osterhammel, Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts, München 2009, S. 139.
6 1906 begann Arthur Moeller van den Bruck mit der Herausgabe der Werke Fjodor Dostojewskis, und Dostojewski wurde zu einer zentralen Inspirationsquelle für politisch-kulturelle Selbstpositionierungen Deutschlands gegen den „Westen“. Ein bekanntes Beispiel sind Thomas Manns „Betrachtungen eines Unpolitischen“, in denen Mann mit Bezug auf Dostojewski eine deutsch-russische Seelenverwandtschaft beschwor: „Welche Verwandtschaft in dem Verhältnis der beiden nationalen Seelen zu ‚Europa‘, zum ‚Westen‘, zur ‚Zivilisation‘, zur Politik, zur Demokratie! Haben nicht auch wir unsere Slavophilen und unsere Sapadniki [unsere Westler also]?“ Thomas Mann, Betrachtungen eines Unpolitischen, Frankfurt a. M. 1974 (zuerst 1918), S. 441.
7 Osterhammel, Verwandlung der Welt, S. 1294.
8 Vgl. dazu Riccardo Bavaj/Martina Steber, Introduction: Germany and ,The West‘. The Vagaries of a Modern Relationship, in: dies. (Hrsg.), Germany and ,The West‘. The History of a Modern Concept, New York 2015, S. 1–37, hier S. 7f.; vgl. auch Willibald Steinmetz, Multiple Transformations. Temporal Frameworks for a European Conceptual History, in: ders./Michael Freeden/Javier Fernández Sebastián (Hrsg.), Conceptual History in the European Space, New York 2017, S. 63–95.
9 Vgl. Heinrich August Winkler, Der lange Weg nach Westen, 2 Bde., München 2000; ders., Geschichte des Westens, 4 Bde., München 2009–2015; vgl. jetzt auch ders., Zerbricht der Westen? Über die gegenwärtige Krise in Europa und Amerika, München 2017.
10 Arnold J. Toynbee, The Unit of Historical Study (1934), in: ders., A Study of History. Abridgement of Volumes I–VI, hrsg. von David C. Somervell, Oxford 1946, S. 1–11.
11 Vgl. z.B. Philipp Gassert, Die Bundesrepublik, Europa und der Westen. Zu Verwestlichung, Demokratisierung und einigen komparatistischen Defiziten der zeithistorischen Forschung, in: Jörg Baberowski/Eckart Conze/Philipp Gassert/Martin Sabrow, Geschichte ist immer Gegenwart. Vier Thesen zur Zeitgeschichte, Stuttgart 2001, S. 67–89.
12 Vgl. Peter Hoeres, Krieg der Philosophen. Die deutsche und die britische Philosophie im Ersten Weltkrieg, Paderborn 2004; Marcus Llanque, Demokratisches Denken im Krieg. Die deutsche Debatte im Ersten Weltkrieg, Berlin 2000; Jeffrey Verhey, The Spirit of 1914. Militarism, Myth and Mobilization in Germany, Cambridge 2000.
13 Vgl. Vanessa Conze, Das Europa der Deutschen. Ideen von Europa in Deutschland zwischen Reichstradition und Westorientierung (1920–1970), München 2005; Dagmar Pöpping, Abendland. Christliche Akademiker und die Utopie der Antimoderne 1900–1945, Berlin 2002; Axel Schildt, Zwischen Abendland und Amerika. Studien zur westdeutschen Ideenlandschaft der 50er Jahre, München 1999.
14 Vgl. Julia Angster, Konsenskapitalismus und Sozialdemokratie. Die Westernisierung von SPD und DGB, München 2003; Anselm Doering-Manteuffel, Wie westlich sind die Deutschen? Amerikanisierung und Westernisierung im 20. Jahrhundert, Göttingen 1999; ders., Amerikanisierung und Westernisierung, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 18. 1. 2011, http://docupedia.de/zg/Amerikanisierung_und_Westernisierung [25. 10. 2017]; Michael Hochgeschwender, Freiheit in der Offensive? Der Kongreß für kulturelle Freiheit und die Deutschen, München 1998.
15 Vgl. Heinz Gollwitzer, Europabild und Europagedanke. Beiträge zur deutschen Geistesgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts, München 1964 (zuerst 1951); ders., Geschichte des weltpolitischen Denkens, 2 Bde., Göttingen 1972/82; Dieter Groh, Russland und das Selbstverständnis Europas. Ein Beitrag zur europäischen Geistesgeschichte, Neuwied 1961 (Neuausg.: Russland im Blick Europas. 300 Jahre historische Perspektiven, Frankfurt a. M. 1988).
16 Vgl. Ezequiel Adamovsky, Euro-Orientalism and the Making of the Concept of Eastern Europe in France, 1810–1880, in: Journal of Modern History 77 (2005), S. 591–628; ders., Euro-Orientalism. Liberal Ideology and the Image of Russia in France ...
Inhaltsverzeichnis
- Cover
- Titelseite
- Impressum
- Inhalt
- Globale Universalität und zivilisatorische Begrenztheit
- Bilder des „Westens“ in der britischen Öffentlichkeit um 1900
- Französische Diskurse um „Westen“, „Moderne“ und „Zivilisation“
- 1899 – Wendejahr der internationalen Zivilisationsrhetorik
- Der „Westen“ avant und après la lettre
- Der „Westen“ im Ersten Weltkrieg
- Westorientierung als Konsens
- Russlands „konservative Revolution“?
- Transatlantische Räume
- Der „Westen“ im Curriculum
- Test the West
- Autorinnen und Autoren
Häufig gestellte Fragen
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